Sarah Piampiano: Wie ich dabei geholfen habe, die P5X-Serie zu entwickeln

Die Ironman-Champion war auf einzigartige Weise bei der bahnbrechenden Entwicklung beteiligt, die zu dem einmaligen Triathlonrad führte, mit dem sie den 7. Platz bei dem Kona-Wettberb erzielte.

 

ST. GEORGE, UTAH – Ich sitze auf einer Couch neben Heather Wurtele, Trevor Wurtele und Mathias Hecht, den drei anderen Cervélo-Athleten, die gerade mit mir an den 2013 Ironman 70,3 North American Championships teilgenommen haben. 

Ein Trio von Cervélo-Ingenieuren ist mit uns im Raum, und die Videokameras laufen. Sie stellen Frage um Frage über das P5, Cervélos neuestes Superbike: Wie hat es sich in den Steigungen verhalten? Auf den Abfahrten? Auf den Ebenen? Was hat uns daran gefallen? Was würden wir ändern? Wie haben wir unsere Fahrräder für das Essen und Trinken eingerichtet? Wie war es, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein? Wie einfach war es, Passformanpassungen vorzunehmen?

Wir alle reagieren begeistert – es ist erfrischend, wenn sich ein Sponsor so sehr für die Erfahrungen und Meinungen seiner Athleten interessiert. Die Mitarbeiter von Cervélo haben auch Fotos von uns beim Rennen gemacht, und als ich fragte, wie die Bilder geworden sind, bin ich überrascht zu erfahren, dass jeder einzelne Athlet fotografiert wurde.

Ich bin in meiner zweiten Profisaison bei Cervélo und habe den Eindruck, dass all dieses Feedback gesammelt wird, um die nächste Generation des P5 zu entwickeln. Es ist mir nicht klar, dass sie etwas viel Ambitionierteres im Sinn haben.

Bei den 2013 Ironman Mt. Tremblant North American Championships drei Monate später im August und beim Ironman Austria im Juni darauf werden die Engineering-Fragen immer weiter gestellt. Ich sehe, dass mehr Profis interviewt werden, und die Kameras von Cervélo säumen weiterhin Radstrecken auf der ganzen Welt. Ihre Neugierde ist unersättlich! Bald fliegen E-Mails hin und her und fragen nach Feedback zur Bento-Box an meinem Oberrohr und die hintere Hydratationshalterung, die in meiner Sattelstütze befestigt ist.

Dann, bei den 2015 Ironman-Weltmeisterschaften, enthüllt Cervélo Pläne, ein neues, schnelleres Zeitfahrrad irgendwann in 2016 zu lancieren. Details werden keine bekannt gegeben, nicht einmal ein Name. Das ist Spannung pur! Jeder weiß, dass das Fahrrad die Triathlon-Welt neu definieren wird – weil es das ist, was Cervélo macht – aber keiner von uns weiß, wie.

Ein paar Monate später bin ich eingeladen, für vier Tage nach Palm Springs zu fliegen. Alles, was ich weiß, ist, dass ich das neue Fahrrad fahren werde und dass der Trip nach Kalifornien streng geheim ist.

Als ich ankomme, ist Cervélos Team bereit und wartet: David Killing, Richard Matthews und Stuart Munro, drei der Hauptingenieure, die am Fahrraddesign gearbeitet haben; eine Filmcrew, die alles dokumentiert; der renommierte Fahrradfitter Mat Steinmetz, die Mechaniker Shawn Armstrong und Jason Losey und Lesley Loughlin, der Triathlonmanager von Cervelo. Die anderen anwesenden Athleten: Die Wurteles, Caroline „Xena“ Steffen und die pensionierte ITT-Legende Dave Zabriskie.

Am Tag 1 sitzt die Gruppe zusammen in einem Raum mit zwei mit Planen bedeckten Fahrrädern. Niemand außerhalb dieser vier Wände hat das neue Fahrrad je gesehen. Das Projekt ist so gut gehütet, dass am Hauptsitz von Cervélo in Toronto ein sicheres Design- und Entwicklungslabor eingerichtet wurde. Die Ingenieure sagen uns nichts sonst, denn sie wollen unsere ersten Reaktionen, Kommentare und Fragen dokumentieren. Die Planen kommen herunter – Trommelwirbel bitte – und wir ergötzen unsere Blicke am P5x.

Bald lösen grenzenlose Aufregung und Neugierde die Überraschung ab. Wir finden heraus, wie die Ingenieure an der Entwicklung des Fahrrads gearbeitet haben. Sie hatten keine vorgefassten Vorstellungen davon, wie es aussehen würde. Vielmehr fingen sie mit konkreten Zielen und Parametern an. Sie waren nicht bereit, Kompromisse bei der Steifigkeit einzugehen, und versuchten, die Aerodynamik für Ironman und Ironman 70,3-Setups zu verbessern. Sie wollten das vielseitigste triathlonspezifische Fahrrad der Welt entwickeln und uns gleichzeitig das beste und schnellste Fahrerlebnis bieten.

Das ist einmal eine Ansage! Wir diskutieren Aerodynamik und Gewicht und Positions-Setups und wie dynamisch und funktional das neue Fahrrad aus der Passform-Perspektive sein wird. Wir diskutieren Stauraum und wie sie bei der Arbeit im Windkanal Faktoren wie die Kraftstoffversorgung eines durchschnittlichen Fahrers berücksichtigt haben. Es ist faszinierend, all die funktionalen Details kennenzulernen, die sie aufgenommen haben: Ein Bento-Beutel mit Seitentaschen, ein Pillenfach und ein Reißverschluss, der im Wind nicht flattert. Einstellmarkierungen an Sattelstütze und Steigpfosten. Eine integrierte rückwärtige Flaschenhalterung. Ein Zugangsfenster für die Di2-Box im Vorbau. Dass wir diese Features nicht hatten, war schon immer ein Ärgernis für uns, aber wir hatten diese Defizite jahrelang toleriert. Das ist vorbei!

In den nächsten drei Tagen testen wir das Fahrrad im Zeitfahren auf einer flachen, schnellen Strecke. Wir klettern, steigen ab, biegen ab. Wir testen das Fahrrad auf jede erdenkliche Weise und, kurz gesagt, ich bin total hin und weg. Ich liebe mein P5, aber das Fahrrad liebe ich auch! Wie es sich handhabt, wie es steigt, wie stabil ich mich bei Abfahrten fühle, die Leistungserzeugung – es übertrifft meine Erwartungen und Hoffnungen in jeder Weise. Ich gehe begeistert, inspiriert und schwindlig vor Aufregung weg, weil ich meinen Teil der Entwicklung dieses neuen und die Branche definierenden Fahrrads gespielt habe.