#BalanceForBetter

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WIR FEIERN DIE FRAUEN, DIE HARTNÄCKIG TAGTÄGLICH VORURTEILE HERAUSFORDERN

Das diesjährige Motto des Internationalen Frauentags lautet „Balance zum Besseren“. Als Radfahrer wissen wir, worauf es ankommt, damit die Gummiseite unten bleibt, aber als Fahrer müssen wir genauso ein Gleichgewicht im Leben finden. Es ist ein breites Thema, Wortspiel beabsichtigt. Wir haben einige unserer passionierten Botschafter (und Mitarbeiter) gebeten, ihren Blick auf #BalanceforBetter zu teilen. Lesen Sie ihre persönlichen Geschichten hier unten.

DAS LEBEN IST EIN BALANCEAKT

VERFASST VON: REESE RULAND
CERVÉLO-MARKENBOTSCHAFTERIN, RADSPORT-ENTHUSIASTIN
Reese

Ich konnte meinen Vater hinter mir herlaufen hören, seine Hand am Sattel meines winzigen Rades mit Stützrädern. Er versicherte der Dreijährigen, die ich war, immer wieder: „Ich hab' dich! Ich lass' nicht los! Tritt weiter in die Pedale.“

 
Und das habe ich gemacht, weil ich wusste, dass er da war, um mich im Gleichgewicht zu halten. Dann verschwanden das Geräusch seiner Füße und seine Stimme im Hintergrund und ich war zum ersten Mal auf mich allein gestellt. Ich bin nicht umgekippt, wie bei anderen Versuchen, aber das ist die Sache mit dem Gleichgewicht, es braucht Übung, bis man es so macht, als hätte man nie damit zu kämpfen gehabt.
 
Es ist 28 Jahre her, seit ich gelernt habe, wie man Fahrrad fährt. Ich bin selbstständig in die Pedale getreten, die meiste Zeit mit der Gummiseite nach unten geblieben und habe die Welt auf zwei Rädern erkundet. In diesen 28 Jahren habe ich gelernt, dass das, was wir als erstes über das Radfahren lernen, nämlich das Gleichgewicht, auch das erste ist, was wir beim Radfahren und auch ganz generell zu vergessen pflegen. Wenn ich auf ein Fahrrad steige, gehe ich davon aus, dass ich es auch fahren kann, keine Frage. Wenn ich trainiere, esse oder zur Arbeit gehe, erwarte ich, dass, wenn etwas nicht stimmt, z. B. wenn ich zu viel esse oder zu viel trainiere, es sich am Ende ausgleicht. Dass das Universum auf mysteriöse Weise das Gleichgewicht in jedem von uns aufrechterhält.

Um ehrlich zu sein, hat dieser Laissez-faire-Ansatz die meiste Zeit meines Erwachsenenlebens gut funktioniert. Schieben Sie es auf die Jugend, wenn Sie wollen, aber ich bin stress- und verletzungsfrei geblieben. In 2016 endete das und alles änderte sich. Es war, als würde ich einen Hügel hinunterfahren, schneller werden und noch schneller, und dann würde sich mein Reifen in einer Spurrille verfangen und mich vom Rad katapultieren. Ziemlich schnell ging meine Gesundheit von großartig zu schlecht zu noch schlechter. Von 70 Meilen Laufen pro Woche und zusätzlich noch Radfahren kam ich dahin, dass mir zu schwindelig war, um aufzustehen, um Rad zu fahren, oder um wie normal zu funktionieren. Herzrasen brachte mich mehrmals in die Notaufnahme. Es war so stark, dass ich überzeugt war, ich hätte einen Herzinfarkt. Ich kam mir verrückt vor und die Ärzte sagten mir, ich sei irgendwie verrückt. Alle Wege scheinen auf verrückt zuzusteuern.

Die Waage des Gleichgewichts war mir nicht mehr gewogen. Ich konnte nicht mehr so viel laufen oder fahren, wie ich es gewohnt war oder wie ich es wollte. Egal, wie viel ich aß oder nicht aß, ich nahm zu. Ich hatte Anfälle von Schlaflosigkeit, völlige Motivationslosigkeit, Schwindelanfälle. Und trotzdem konnte mir keiner sagen, was los war. Die Ärzte sagten mir, ich sei nervös. Wobei, ja, ich war nervös, aber meistens als Symptom dafür, dass ich mich so schlecht fühlte. Ich fühlte mich schlecht, weil ich nicht ich selbst war, und verstand nicht, was mich dazu brachte, mich so zu fühlen. Das hat mich beklommen gemacht.

Ich wusste, was für mich normal war, und das war es sicher nicht. Nach Jahren des Suchens und des Nicht-Akzeptierens von „Du bist doch okay“ und Ativan als akzeptabler Weg, durchzukommen, bin ich endlich (hoffe ich) wieder auf einer guten Spur. Hier ist, was ich über Gleichgewicht nicht anerkannt hatte: Die Dinge kommen wieder ins Gleichgewicht, wenn man ihnen die Zeit gibt und die optimalen Umstände dafür. Über mehrere Jahre hinweg hatte ich mich in ein Übertrainings-Loch gegraben, aber ich hatte nie schlimme Folgen davon gehabt. Und so wurden freie Tage selten. Schließlich fühlte ich mich gut und das Wetter zwang mich geradezu, nach Draußen zu gehen. Dazu kam noch, dass ich bei meinem hohen Aktivitätsniveau nicht mehr richtig nachtanken konnte. Das ist ok, wenn auch nicht optimal, aber oft unvermeidbar. Aber Jahr um Jahr ein Energiedefizit zu haben, belastet den Körper, bis er mit dem, was Sie ihm geben, nicht mehr funktionieren kann.

In einem Versuch, mich vor meiner eigenen Unterversorgung und dem Übertraining zu schützen, fing mein Körper an, Hormone abzuschalten und unter anderem meine Gesundheit, mein Gewicht, meine Stimmung und meine Motivation aus dem Gleichgewicht zu bringen. Es war und bleibt ein langer Weg zurück zur optimalen Gesundheit. Aber wenn ich wieder oben angekommen bin, dann wird es sich gelohnt haben, das ist bei den meisten Anstiegen so.

Ich erzähle diese verkürzte Geschichte nicht als Mitleidsstory, und auch nicht als Warnung vor Übertraining. Es ist eine Geschichte darüber, wie wichtig es ist, nicht nur zu wissen, dass das Leben ein Balanceakt ist, sondern dass man etwas dafür tun muss, die Balance zu fördern, indem man allen Dingen im Leben reichlich Zeit, Raum, Ruhe, Gewicht und Nahrung gibt. Wir vergessen leicht, dass Gleichgewicht zu lernen ein Prozess ist. Nicht immer ist einer da, der einen aufrecht hält, aber je mehr wir üben, desto besser werden wir darin.
Reese
Reese
Reese

WENN ES AUFHÖRT, SPASS ZU MACHEN, HÖRE ICH AUF DAMIT

VERFASST VON: MARIA BENSON
LEITERIN PRODUKTMANAGEMENT – CERVÉLO
MARIA

Ich bin zum Radfahren in einer Phase meines Lebens gekommen, die die meisten Menschen während ihrer Studienzeit erleben. Du bist zum ersten Mal auf dich allein gestellt, hast alle möglichen neuen Freunde gefunden und machst viel zu viel Party.

 
Und plötzlich wachst du auf, bist außer Form, ein Borderline-Alkoholiker und hast um die 20 Pfund Übergewicht.
Der Unterschied für mich war, dass ich mit einem Marine verheiratet war, eine Wohnung mit einem anderen jungen Marine Corps-Paar teilte und wir nicht aufs College gingen.

Nach zwei Jahren mit diesem Lebensstil wurde mir klar, dass ich mich durch nichts, was ich da tat, körperlich gut fühlte. Ich hatte die Nase voll davon, dass der Knopf meiner Jeans sich in meinen Bauch zwängte ... Also bin ich in ein Fitnessstudio gegangen. Ich habe mit einem Spinning-Kurs angefangen und dann ging es weiter mit dem Ausprobieren eines Sprint-Triathlons. Ich kann Ihnen sagen, dass ich in dem Moment süchtig wurde, in dem ich draußen bei einer echten Fahrt auf dem Fahrrad saß. In diesem Sommer habe ich drei Triathlons über die Sprint- oder Olympische Distanz absolviert. Aber es war ein Jahr später, dass das Radfahren mein Leben gerettet hat.

Ich habe meinen Mann im April 2005 verloren. Ich kündigte meinen Job und verbrachte die Monate Mai bis August auf meinem Fahrrad, während ich gleichzeitig eine innige Freundschaft mit Captain Morgan entwickelte. In diesem Sommer nahm ich an drei oder vier weiteren Triathlons teil, und im Herbst entdeckte ich Radclubs und Gruppentrainingsfahrten. Daraus entwickelte sich in den nächsten Jahren eine gesunde Leidenschaft für Straßen-, Crit- und Cyclocross-Rennen.

Zu diesem Zeitpunkt war ich völlig abhängig vom Radfahren und ich verließ mich auf die Endorphine, um nicht völlig die Kontrolle an Captain Morgan zu verlieren. Diese Gespaltenheit hielt fast zwei Jahre lang an. Das Fantasieland, das durch Trauer und meine zweite Neuerfindung als junger Erwachsener angeheizt wurde, begann dünner zu werden und die Realität kam wieder ins Blickfeld. Das war der Punkt, wo es kein Spaß mehr war.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich zwei Jahre lang auf einen College-Abschluss hingearbeitet, in einem Fach, das mich nur mäßig interessierte. Nachdem ich die Voraussetzungen für den von mir angestrebten Studiengang erfüllt hatte, wurde mir der Zugang aufgrund meines Notendurchschnitts von 3,0 verweigert. Ich landete in einem Fahrradgeschäft als Vorzeigefrau, um den Verkauf an Frauen zu unterstützen.

Nach eineinhalb Jahren im Fahrradladen wurde mir klar, dass Fahrräder SPASS machen und dass ich etwas aus meinem Leben machen sollte, das sich um diese Tatsache dreht. Ich beschloss, neu anzufangen und ein Wirtschaftsstudium zu absolvieren, mit der Absicht, mich für die OEM-Seite der Fahrradbranche nützlich zu machen. Jobs im Handel brachten mich durch die Schule, bis ich dann eine Stelle als Inside-Sale-Vertreter für den größten Distributor von Teilen und Zubehör in den USA mit Sitz in Minneapolis bekam.

Jetzt hatte ich richtig Spaß! Minneapolis hat eine sehr lebendige Radsport-Gemeinschaft und es gibt mehrere Clubs zur Auswahl. Ich konnte an jedem Wochenende sowie an mehreren Abenden in der Woche während des gesamten Frühjahrs, Sommers und Herbstes Rennen fahren. Ich schwebte auf Wolke 7; verdiente meinen Lebensunterhalt damit, über Fahrräder zu reden und in meiner Freizeit fuhr ich mir den Arsch ab.

Nach weniger als einem Jahr, als ich schon glaubte, es könne nicht mehr besser werden, überzeugte ich einen Manager, dass ich Produktmanager für eine Fahrradmarke werden sollte, die wir in den USA vertrieben. Ich hatte keine Erfahrung, aber ich hatte eine Leidenschaft für Fahrräder und die rudimentären technischen Kenntnisse, die ich mir beim Schrauben im Einzelhandel angeeignet hatte. Ich sah es als eine einmalige Chance, also habe ich mich in eine steile Lernkurve gestürzt.

Als die Beziehung zwischen dem Distributor und der Fahrradmarke endete, war ich für eine Rolle als Einkäufer für das Unternehmen vorgesehen. Ich schätzte zwar ihr Entgegenkommen gegenüber mir als Mitarbeiter, indem sie mir eine Vollzeitstelle ohne Gehaltseinbußen anboten, aber der Spaß war damit wieder weg. Ich rutschte in einen depressiven Ausblick auf das, was für mich noch kommen könnte.

Anstatt aber so ein Los zu akzeptieren, erinnerte ich mich daran, dass ich diesen Weg eingeschlagen hatte, um Freude zu haben. Ich wusste, dass ich weiterziehen musste zu etwas Größerem und Besserem. Nicht lange danach bekam ich eine weitere Position als Produktmanager bei einer viel größeren Marke. Wieder wusste ich, dass die Lernkurve steil sein würde, aber weil wir Fahrräder bauen, wusste ich auch, dass es ein Riesenspaß sein würde!

Es gibt in der Branche den Standpunkt, dass man, sobald man Branchenprofi wird, aufhört, Fahrrad zu fahren und einen Haufen Gewicht zulegt. Ich kann nur vermuten, dass dies daran liegt, dass Menschen dazu neigen, einen stressigen Job ihr Privatleben beeinflussen zu lassen, und der einfachste Weg, den Stress zu mindern, ist, die Freizeitaktivitäten aufzugeben, die Zeit kosten. Auf der anderen Seite sind wir als Fahrradbesessene oft so eng auf das Fahren und das Fitbleiben fokussiert, dass wir vergessen können, dass wir mit dem Fahren angefangen haben, weil es Spaß macht und wir uns dabei gut fühlen. Ich wusste also, dass ich dafür sorgen musste, dass ich immer noch Spaß am Radfahren und in meinem Fall am Reden über Fahrräder habe, und das den...ganzen...Tag...!

Irgendwann kam der Punkt, an dem auch diese Position keinen Spaß mehr machte. Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich ein Niveau an Erfahrung aufgebaut habe, in dem Cervélo einen Wert sah. Sie kamen und boten mir eine weitere Gelegenheit zum Wachstum und zur Neubelebung dessen, was Fahrräder für mich in meinem Leben bedeuten.

Die Pointe meiner Geschichte ist, dass ich mich bemühe, ein Gleichgewicht zwischen dem realen Leben und den Fahrrädern zu halten, nach dem Motto: „Wenn es aufhört, Spaß zu machen, höre ich auf damit.”

Jedes Jahr im April schließe ich mich einer Gruppe amerikanischer Veteranen an, die aufgrund ihres Dienstes  körperlich oder geistig versehrt sind. Wir steigen in Washington, D.C. auf die Fahrräder und fahren den ganzen Weg nach Gettysburg zu Ehren ihres Opfers und deren, die vor ihnen kamen. Diese Männer und Frauen erinnern mich jedes Jahr an die Kraft des Fahrrads und das unglaubliche Leben, das es mir ermöglicht hat.
Maria
Maria