Das Team war vom Rad begeistert, ebenso wie fast alle anderen, denen wir es zeigten. Wir waren bereits persönlich im Triathlon- und Radrennsport involviert, und überall, wo wir mit dem Rad auftauchten, wurden wir gefragt, wo ein solches Rad zu bekommen sei. Eine nicht unwichtige Ausnahme war der Radsponsor des Teams, der noch nicht bereit war, die alte Tradition aufzugeben. Wir kamen zu dem Schluss, dass, wenn unser Design Radsport- und Triathlon-Profis und -Amateuren gleichermaßen gefiel, den Fahrradherstellern aber nicht, uns nur die Option blieb, ein eigenes Unternehmen zu gründen.
So bauten wir in den Folgemonaten unser eigenes Unternehmen auf, überarbeiteten unser Design komplett (sogar inkl. Wechsel von Carbon zu Aluminium), studierten den Markt und beschlossen, den Sprung zu wagen. Die erste Fahrradmesse, bei der Cervélo seine Räder zeigte, fand im Februar 1996 statt. Da wir nur wenige Modelle (zwei) hatten, die wir präsentieren konnten, entschieden wir uns für die noble Ausstellungsvariante nach Art italienischer Autohäuser, d. h. mit viel freier Fläche. Zur Abrundung dieses Flairs zeigten wir im Hintergrund Van Goghs „Sternennacht“ und trugen die italienischen Rad-Trikots aus den 1950er Jahren. Die Nachfrage nach Letzteren war wahrscheinlich höher als die nach unseren Rädern, aber zumindest blieben wir dadurch bescheiden, und man kann durchaus behaupten, dass das Geschäft seitdem Fahrt aufnahm.
Innerhalb von zwei Jahren gewann wir Triathlone, nationale Zeitrennen in Deutschland und Kanada, nahmen an Triathlon- und Rad-WMs teil sowie am olympischen Zeitfahren in Atlanta.
Unsere zwei wichtigsten Erfolgsfaktoren: unsere Kunden und die Sportler. Wir schätzen uns glücklich, dass viele Kunden unsere Designs begreifen und zu schätzen wissen. Wir wissen, wie groß das Angebot an Fahrrädern ist, und fühlen uns jedes Mal geehrt, wenn jemand die Vorzüge eines Cervélo anerkennt.
Nicht zu vergessen natürlich die Profisportler, die – zusammen mit unseren Kunden – die wahren Botschafter für unsere Räder sind. Da wir ein relativ kleines Unternehmen sind, können wir Sportlern und Teams in der Regel nicht die gleichen Vorteile bieten wie große Unternehmen. Das heißt aber auch: Entscheidet sich ein Sportler oder ein Team für ein Cervélo und nicht für ein anderes Rad, dann wirklich aufgrund des Produkts (und hoffentlich des Unternehmens). Das mag nicht besonders spektakulär erscheinen, aber als Profi-Sportler muss man zwischen eventuell höheren Preisgeldern und dem Geld, das man mit dem gegebenen Grundgehalt zur Verfügung hat, wählen – eine schwierige Entscheidung. Wir danken allen Sportlerinnen und Sportlern für ihr Vertrauen in uns und unsere Räder.
Uns ist klar, dass das seltsam klingen mag, nun, da wir der einzige Fahrradhersteller mit eigenem, auf höchstem Niveau agierenden Profi-Radteam sind, aber das ändert nichts an unserer Haltung. Für einen High-End-Hersteller mögen wir groß sein, aber gemessen an einigen anderen Unternehmen, die ihre Produkte bei Profi-Rennen präsentieren wollen, sind wir immer noch klein. Es ist nicht leicht, Partnerschaften zu gewinnen, wenn es Mitbewerber gibt, die ihre Einkünfte mit der gesamten Palette vom Dreirad bis zum Rennrad generieren. Aber wir freuen uns, dass wir Sportler und Freunde haben, die an uns glauben und uns geholfen haben, das Cervélo TestTeam zu gründen.